七夕

Der britische Japan-Kenner Basil Hall Chamberlain schreibt in seinem 1890 erschienenen „ABC der japanischen Kultur“:

„Die Sterne werden in Japan weitaus weniger bewundert und besungen als in Europa. Die einzige erwähnenswerte Fabel, die etwas mit den Sternen zu tun hat, ist jene, auf der das Fest namens Tanabata beruht. Diese Fabel, die chinesischen Ursprungs ist, erzählt die Liebe eines Hirten und einer Weberin. Der Hirte ist ein Stern im Bilde der Aquila, die Weberin ist der Stern Wega. Sie wohnen an den entgegengesetzten Ufern des «Himmlischen Flusses» oder der Milchstraße und können nicht zusammenkommen, ausgenommen in der 7. Nacht des Mondes…..

               (wikipedia.org/wiki/Tanabata)

 

Ausgerechnet dieses Fest gibt es in Europa dann nicht. Das heutige Tanabata in Japan ist eigentlich ein buntes Fest, aber ich erzähle mit den ausgeblichenen Bildern die Geschichte, die ich gestern bei einem Besuch mit Bun-Chan mit ihren Großeltern erfahren habe und die hat, da die beiden schon so alt sind, etwas mit verblassenden Erinnerungen zu tun. Den Großvater haben wir nach einem Schlaganfall im Krankenhaus besucht – allein das war eine interessante Erfahrung und die Omi anschließend zu Hause. Beide Orte hätte ich gern fotografiert, aber fand das etwas aufdringlich. Die alte Dame hat extrem schöne Haut und wer jetzt mit der gesunden japanischen Ernährung anfängt, der lasse sich nicht blenden. Als ich nach ihrem Geheimnis fragte, zählte sie nicht weniger als 7 Lotions und Cremes auf – dabei Under-Basic-Foundations, Grundierung, Übergrundierung, Sun-Protection und Highlighter.

Die denkwürdigere Geschichte aber war die der beiden alten Leute selbst in ihren jungen Jahren.

Während des Krieges war die Großmutter in der Oberschule, musste aber bedauerlicherweise in der Kriegsproduktion arbeiten und verpasste daher ihre Ausbildung. Während sie in einem Flugzeugwerk die japanische Kampfflotte zusammenschraubte, wurde ihr Geliebter, damals Geschichtsstudent in Kyoto, zu Ende des Krieges in die Sondereinheit der Marineluftwaffe eingezogen wurde. Diese Einheit heißt hier tokkō – Sonderangriff – gemeint sind die Kamikazeflieger. Aufgrund eines technischen Fehlers verspätete er sich mit seiner Maschine für den Angriff gegen die US-Navy und blieb am Leben, während die meisten seiner Freunde im Pazifik umkamen.

Soweit die Erzählung. Als Tanibata-Märchen verstanden, kann man ergänzen, dass die Großmutter mit aller Sorgfalt absichtsvoll ein paar Drähte falsch verknotet hat. Vielleicht hätte der alte Mann mir die Geschichte auch nocheinmal anders dargestellt, aber er war leider nicht in der Lage, zu sprechen.

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