kumamotive

Die schöne Gegend Kumamoto, wo sich mein Geist in die Lektüre vertieft und in der Natur wieder erhoben hat, in einer Reihe von Bildern geschildert. Zu den Heimatfotos gehört das Feierabendlied, das jeden Tag um 5 Uhr über die Felder schallt und die Leute mahnt, zum Abendessen zu schreiten. Diese Melodie ist so eingängig und ihre Funktion so überzeugend, dass ich mittlerweile Kindheitserinnerungen mit dem 5 Uhr-Lied erfunden habe, weil es einen so hohen Angewöhnungswert hat.

Also erstmal das Video anschalten und dann zur Musik darunter die Bilder durchklicken..

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jetzt bin ich sicher, sind einige von euch auch schon ganz angezaubert, weswegen ein Kontrast geboten scheint: die süße, harmonische Melodie lässt vermuten, dass der dazugehörige Text von Vaterlandsliebe und Arbeitstreue erzählt, aber ganz anders: es geht um Krähen.

in etwa so:

Abendrot, wie ein kleines Feuer ist der Einbruch der Dämmerung

Auf dem Berg läutet die Tempelglocke

lasst uns an den Händen fassen und gemeinsam mit den Krähen nach Hause gehen.

Wenn die Kinder nach Hause gekommen sind,

und der gute, runde Mond am Himmel steht,

wenn die kleinen Vöglein schon träumen,

dann funkeln am Himmel die Sterne wie Gold.

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Kikka – „Kaiserblumendorf“

land kumamoto

kusa no na mo jijō shinikeri haru no ame

Frühlingsregen fällt, und alles, was da grünt, hat plötzlich seinen Namen.

Haiku von Basho (?) Übersetzung MAY, Ekkehard und Claudia WALTERMANN (1995): Bambusregen. Haiku und Holzschnitte. Frankfurt a. M./Leipzig: Insel Verlag.

 Zum Erzählen braucht es Bewegung, ist mein Eindruck und in meinem Fall außerdem konkrete Adressaten. Ich wurde darauf hingewiesen, dass meinem Blog kaum zu entnehmen ist, wie es mir hier eigentlich geht. Tatsächlich ist es für mich schwierig, meine Empfindungen in allgemeiner Form an ein „Euch“ gerichtet auszudrücken. Ich würde jedem Einzelnen von Euch vermutlich ein bisschen andere Eindrücke und die damit zusammengehörenden Gedanken schildern. Allerdings gibt es auch einen Großteil an Eindrücken, die in Worte gefasst wahrscheinlich überhaupt keinen Erzählwert haben, außer jemand wie Thomas Mann schriebe sie auf. Wenn ich hier das Land erkunde, dann müsste ich eine Menge dessen, was bei mir Staunen hervorruft, etwa so formulieren: „oh was für ein Tiefenkontrast!“ (gesehen: helle Steinleuchte vor einer offenen Garage) oder „so viele Grün! Alles so üppig!“ (Reisfelder und am Horizont die dicht bewaldeten Bergketten) oder „Krasser Beton!“ (trifft auf vieles zu) oder „Tolle Farben! Super Plaste! Mögen die das so gammlig oder stört sich keiner dran? (unvorstellbar…)“ (bei einem Blick auf die außerordentlich spannenden Konglomerate, aus denen sich teilweise Behausungen zusammensetzen. Ein Flickwerk an Wellblechen und Stahlträgern umhaust das gemütliche Heim, das bis zum penibel gekehrten Gehsteig mit einem Sammelsurium an Pflanztöpfen, Bierkisten, Eimern, Gerätschaften und Zeugs umschichtet ist.

Diese Art der Bilder, die sich hier bieten und mir unglaubliches Vergnügen bereiten, versuche ich ja in Fotos einzufangen. Tatsächlich würde ich sagen, dass die üppige Kultur des Ramsches, der sorgfältig gehüteten Alltagsgegenstände, deren öffentlich ausgestellte Sammlung irgendwann in den 90ern vollendet und seitdem nur noch mit Patina überzogen wurde, für mich das Typische meiner Vorstellung von Japan begründet. Man kann für diese Beschreibung auch den häufig angeführten Kontrast von >Alt & Neu< bemühen, aber diese Figur wird auf soviele Phänomene angewendet, dass ich sie nicht stark genug finde, um den visuellen Charakter von japanischen Siedlungsräumen zu treffen. Im Grunde gibt es aber gar keine treffendere Referenz für diese Phrase als ein japanisches Stadtbild, denn hier haben die alten Gegenstände, so wie sie gealtert sind, ihren festen Platz in der alltäglichen Routine der Gegenwart. Natürlich gibt es die auf Vordermann gebrachten Zeugnisse aus früheren Zeiten, so wie die gepflegten alten Holzhäuser, Burgen, Kunstgegenstände etc, die dann in ihrer Funktion als Tourismusmagneten das Alte eher symbolisieren, als tatsächlich zu verkörpern. Was mich hier besonders fasziniert, ist die Beanspruchung von Objekten, deren Nutzungsdauer äußerlich abgelaufen zu sein scheint, aber die offenbar immer noch für gut, sinnvoll oder zumindest nicht als störend empfunden werden. Das kann man Nostalgie oder Verkramktheit nennen, aber für mich hat es tatsächlich etwas mit Respekt zu tun. Jedenfalls kommt es meinem inneren Empfinden von Wertschätzung extrem nahe. Was ich damit meine, sind nun nicht nur die visuell reizvollen, vollpropften Büdchen, Lädchen, Häuserfronten, sondern das können auch die Linienbusse sein, die unverändert seit den 80ern (ich schätze) durch Kumamoto kreuzen, oder ausgeblichene Hinweisschilder, die zwar täglich gereinigt, aber nur wegen kleiner Roststellen noch nicht diskussionslos gegen LED-Acryl-Reklametafeln ausgetauscht werden. Dass allerdings direkt daneben solche Leuchtschilder stehen und nagelneue Reisebusse vorbeirauschen, macht das ganze so reizvoll.

Zum ersten Punkt. Soeben fahre ich mit dem Shinkasen in Hiroshima ein. Der wohlige Zustand des Bahnfahrens ebenso wie die vorbeiziehenden Landschaften machen es nun einfach, von Japan und den letzten 2 Wochen zu erzählen. Abgesehen davon, dass ich mich schon 2 Tage, nachdem ich hier angekommen war, komplett zuhause fühlte, gestaltete sich die Zeit bei Bun Chan in großer Gleichförmigkeit. Ich arbeitete an der Übersetzung einer Handelsgeschichte, nachmittags ging ich spazieren, abends haben Bun Chan und ich jeden Tag ein großartiges Menü zubereitet und zu Ende eines schwülheißen oder verregneten Tages gab es nichts besseres, als ein heißes Bad zu nehmen. Bun Chans Haus ist an eine heiße Quelle angeschlossen, so dass sich die Reste eines ökologischen Schuldbewusstseins in dem Moment auflösen, wo man in die Wanne steigt. Nicht, dass bei mir diesem Alltag langweilig gewesen wäre. Aber es gab irgendwie nichts zu berichten. Für das Studium war der Rückzug in die ländliche Klausur hilfreich und meinem Körper hat die langsame Regelmäßigkeit gut getan. In die Zeit hingestreuselt waren endlos viele Genussmomente: wenn die Sonne nach 10 Tagen Regen durchkommt oder abends schlafen zu gehen, ohne völlig erledigt zu sein und stattdessen noch den Fröschen im Reisfeld oder dem Regen zu lauschen, oder mit einer Tasse Kaffee den Abschluss eines Kapitels zu zelebrieren.

kollektive selbstvereierung

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Auch wenn das Blog-Format dazu einlädt, fühle ich mich leider nicht in der Lage, informierte Berichte über die politische Lage in Japan zu verfassen. Trotzdem stoße ich hier auf ein paar denkwürdige Details, die einige von Euch bestimmt interessieren und die ich aus diesem Grund verbreiten möchte. Ohne zusammenhängende Kenntnisse und in Ermangelung ausführlicher Recherchen überlasse ich es also jedem selbst,  die von mir geschilderten Phänomene in einen komplexeren politischen Kontext einzuordnen. Der Kontext, auf den ich abziele, lautet in seiner einfachen Formulierung „die Militarisierung Japans“. Eine erste konkrete Begegnung mit dieser Entwicklung konnte ich während der Zeit an der Keio Uni in einem Seminar zur Außenpolitik Japans machen. Der Dozent, ein ehemaliger Botschafter, sprach unentwegt von der bedrohlichen Lage, in der Japan sich befände und wie wenig gesichert das Land im Falle einer Invasion (unausgesprochen: China) wäre (unausgesprochen: und deshalb aktiv aufrüsten müsse). Ich kann mich in dieses Bedrohungsszenario angesichts der wirtschaftlichen Verflechtungen nicht hineindenken, es kommt mir vor wie Paranoia. Aber was die Gründe für die Forderung nach militärischer Streitkraft auch sein mögen, Fakt ist, dass der politische Kurs auf eine „Neuinterpretation“ des Pazifismus-Artikels der Verfassung gerichtet ist.

Einleuchtend finde ich dabei auch, dass aktuelle Ereignisse wie die pro-aktive Wiedereinsetzung des „Rechtes auf kollektive Selbstverteidigung“, die Anfang Juli beschlossen wurde, weniger als Kehrtwende von Japans Friedensdoktrin zu sehen sind, als vielmehr Markierungen innerhalb des Prozesses einer steten Re-Militarisierung seit Ende des 2. Weltkrieges. Der Regierungsbeschluss von Juli, der Japan nun eine aktivere Rolle innerhalb militärischer Aktionen von Bündnispartnern legitimiert, gleicht also eher die politische Rhetorik an die gängige Praxis an, als umgekehrt.

Zu dieser Interpretation ist Dirk Nabers bereits 2006 gekommen, als der derzeitige Premierminister von Japan, Abe Shinzo, das erste Mal die Regierung führte. Schon damals hatte Abe mit Regierungsantritt deutlich gemacht, eine Verfassungsänderung anzustreben, damit Japans Selbstverteidigungsstreitkräfte ihren streitbaren Teil aktiver ausüben können. Für mich klingt Nabers‘ Resumee von 2006 irgendwie schlau:

„Es scheint sich in Japan langsam aber sicher eine breite Koalition für einen offiziellen verteidigungspolitischen Wechsel anzubahnen. Ein starkes Fundament der japanischen Nachkriegsidentität ginge mit einem solchen Wechsel verloren, Japan gewänne an Glaubwürdigkeit. Wer der japanischen Außen- und Sicherheitspolitik vor diesem Hintergrund einen neuen Militarismus andichten möchte, verkennt daher die Realitäten.“ (60)

http://www.giga-hamburg.de/sites/default/files/openaccess/japanaktuell/2006_6/giga_jaa_2006_6_nabers.pdf

siehe außerdem bei Interesse:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/japans-regierung-plant-groessere-rolle-des-militaers-a-978456.html

Ein anderes Mal bin ich beim Lesen für eine Hausarbeit auf die These gestoßen, dass das positiv gestärkte Image der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte (jieitai) vielleicht die bedeutendste politische Folge der Mehrfachkatastrophe von Tsunami und Reaktorunglück 2011 darstellt. In „3.11. Disaster and Change in Japan“ (Cornell University Press, 2013) analysiert Richard J. Samuels die erwarteten und tatsächlichen politischen Reaktionen auf die Krisensituation und kommt zu dem Ergebnis, dass zwar mehr oder weniger der gewohnte Gang das Mittel der Wahl ist, aber im Fall der Jieitai sich echte Chancen zu einer offiziellen Re-Militarisierung der verkappten Armee aufgetan haben.

In diesen Zusammenhang von Werbetrommel und Imagepolitur gehören die zwei Videos, die Bun Chan und ich letztens im DVD-Verleih entdeckten:


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Die Klappentexte dieser frisch erschienenen Filmwerke sind so frappant, dass ich sie kommentarlos übersetze:

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Jetzt wird die kühle Schönheit derer, die das Land bewachen, der jungen Frauen der Meeres-Selbstverteidigungseinheit deutlich offenbar!!

Hier wird die wahre Gestalt der auf dem Meer aktiven Frauen-Selbstverteidigungseinheit aus verschiedenen Blickwinkeln eingefangen und deren menschlicher Reiz vorgeführt. Die Bildaufnahmen zeigen das Musiktrio-Corps wunderschöner Frauen; mit dem Fokus auf die Truppenmitgliederinnen, die landesweit als „Miss Basisstützpunkt“ auserwählt wurden, wird die Figur des charmanten Corps umzeichnet. Bilder von der Arbeitsweise und dem Drill sowie von der Aufmachung in Uniformen. Darüber hinaus gibt es, wenn die Uniformen an Ruhetagen ausgezogen werden, die unverhüllte …….. Dokumentation und enge Berührungen, so dass diese DVD als historisch einmalige Fantasie-Dokumentation der weiblichen Marine-Selbstverteidigungsstreitkräfte auch für den männlichen Fetischismus etwas zu bieten hat!

Point

  • Vollständige Wiedergabe des Musik-Corps bestehend aus einem Trio wunderschöner Frauen, die Japan und die Welt bezaubern
  • Bislang völlig ungesehene Geheimnisse + Schönheiten
  • Einschließlich aller möglicher Arten von Uniformen
  • Private Shots, die von natürlichem Lächeln überströmen
  • Aufnahmen in Stützpunkten des ganzen Landes
  • Szenerie und Atmosphäre des wertvollen Dienstes

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Jetzt wird die männliche Stärke der „Samurai des Meeres“, die das Land bewachen; jetzt wird das Profil der Meeres-Selbstverteidigungseinheit deutlich offenbar!!

Hier wird die Gestalt der auf dem Meer aktiven Dienst leistenden Selbstverteidigungsstreitkräfte so wiedergegeben, wie sie wirklich ist und dabei der menschliche Charme übermittelt. Während die Dokumentation das Bild der schwarzen Uniformen, die sich im blauen Meer spiegeln und die harten Gesichter während des Drills zeigt, haben die Aufnahmen am Pool etwas Doppeldeutiges an sich. Die lächelnden Gesichter der Gefährten, die im Show Room rumalbern, ihre „Entschlossenheit“ und ihre „Gesinnung“, das Land zu bewachen sowie der Stolz auf die „Geliebte Maschine“ …….. erscheinen hier als Dokumentation und direkter Kontakt zugleich, kommen somit dem Fetischismus weiblicher Zuschauerinnen entgegen. Diese historisch einmalige Fantasie-Dokumentation der Meeres-Selbstverteidigungseinheiten bzw. der männlichen Truppen schafft Fans!!

Point

  • Schönheit gestählter, muskulöser Körper
  • Einschließlich aller möglicher Arten von Uniformen
  • Aufnahmen in Stützpunkten des ganzen Landes
  • Szenerie und Atmosphäre des wertvollen Dienstes
  • Private Shots, die von natürlichem Lächeln überströmen
  • von Fans begehrte Filmaufnahmen an Bord des Kriegsschiffes

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Den Fotos zufolge sind die Filme als eine vollständige Sammlung bürgerlich-kriegsverherrlichender Stereotypen lehrbuchhaft. Bun Chan hatte trotzdem keine Lust, sie sich anzusehen, Bild-Theorie hin oder her.. Dass aber das Offensichtliche unbekümmert ausgesprochen wird, wie etwa die zuvorkommende Berücksichtigung erotischer Interessen an Uniformträgern, ist fast schon wieder sympathisch.

Während ich an diesem Artikel sitze, kommen im Radio Ansprachen zum Jahrestag an die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki, was hier ganz in der Nähe liegt. Außerdem kommt Miki, bei der ich gerade wohne, nach Hause und verwickelt mich in ein Gespräch über Politik. Sie trägt mir auf, über die historische Aufarbeitung der Thematik der sogenannten „Trostfrauen“ zu berichten. Die organisierte (Zwangs-)Prostitution vor allem koreanischer und chinesischer Frauen durch die japanische Armee im 2. WK ist seit langem Gegenstand erbitterter Diskussionen, aber nicht unbedingt Gegenstand historischer Aufarbeitung. Dabei ist gerade die Frage, ob die Frauen zur Prostitution gezwungen oder konventionell angeworben und entlohnt wurden, ein Streitpunkt, der bis heute von Bedeutung ist, da er die Frage betrifft, ob hier ein Kriegsverbrechen vorliegt oder nicht. In Japan gibt es nun offenbar neueste Belege, dass sich ein Zwang nicht belegen lässt und somit die international verbreitete Darstellung der Kriegsbordelle als Zwangseinrichtungen die Armee des Kaiserreiches Japan (an dieser Stelle) zu Unrecht beschuldigt. Genaue Untersuchungen werden angeblich von nun aufgenommen.

Ich muss sagen, dass sich für mich die Problematik von Prostitution im Krieg auch dann nicht normalisiert, wenn die Frauen bezahlt wurden. Aber dass zur Auseinandersetzung mit dieser Thematik, die bis in die Gegenwart die japanisch-koreanischen Beziehungen belastet, neue Forschungen unternommen werden, sehe ich positiv.  Ob man Zwang und Gewaltverbrechen von Notlage und Missbrauch so deutlich trennen kann? Jedenfalls können diese neueren Untersuchungen ja vielleicht dazu beitragen, dass sich zwischen Japan und Korea eine neue, gemeinsam erarbeitete Verständigungsbasis in dieser Thematik herausbildet und die jeweiligen nationalistischen Vorbehalte, ich meine, Sichtweisen des  jeweiligen Landes, daher durch aktuelle Gespräche und nicht bloß überlieferte Interpretationsweisen geprägt werden.

Ich hab nochmal drüber nachgedacht. Der harmoniebedürftige Ausblick war mir eh unbehaglich als Schlusssatz dieses Artikels. Wenn Japans Regierung Aufklärungsarbeit zu diesem Teil der Geschichte fördert, ist das zwar zunächst positiv zu werten. Aber dass der Ausgangspunkt dieses Bestrebens ist, die Misshandlung der Frauen als Berufsrisiko zu klassifizieren und die Verbrechen als legale Geschäftshandlungen zu interpretieren, bietet für Versöhnung und Annäherung wohl keine Grundlage.

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Japan plant im großen Stil Osprey-Flugzeuge zu kaufen, die hier den Beinamen „Witwenmacher“ tragen, da sie so häufig Unfälle verursachen. Ein neuer Flughafen soll in Saga gebaut werden, also in der Präfekturhauptstadt nahe von dem kleinen Winznest, wo ich hier bin.

http://www.washingtonpost.com/news/checkpoint/wp/2014/07/11/ready-or-not-japan-wants-to-buy-the-pentagons-controversial-osprey-aircraft/

http://www.jiji.com/jc/graphics?p=ve_pol_seisaku-anpoboei-beigun20121001j-04-w400

Sommer am Dienstag!

Es war heiß! Jetzt ist die Luft voller Spannung – ein Taifun zieht von Okinawa hinauf, die ersten Vorwehen kommen hier schon an und schlagen die Türen zu. Der Ferientag heute hätte gar nicht besser platziert sein können inmitten der Regenzeit.

七夕

Der britische Japan-Kenner Basil Hall Chamberlain schreibt in seinem 1890 erschienenen „ABC der japanischen Kultur“:

„Die Sterne werden in Japan weitaus weniger bewundert und besungen als in Europa. Die einzige erwähnenswerte Fabel, die etwas mit den Sternen zu tun hat, ist jene, auf der das Fest namens Tanabata beruht. Diese Fabel, die chinesischen Ursprungs ist, erzählt die Liebe eines Hirten und einer Weberin. Der Hirte ist ein Stern im Bilde der Aquila, die Weberin ist der Stern Wega. Sie wohnen an den entgegengesetzten Ufern des «Himmlischen Flusses» oder der Milchstraße und können nicht zusammenkommen, ausgenommen in der 7. Nacht des Mondes…..

               (wikipedia.org/wiki/Tanabata)

 

Ausgerechnet dieses Fest gibt es in Europa dann nicht. Das heutige Tanabata in Japan ist eigentlich ein buntes Fest, aber ich erzähle mit den ausgeblichenen Bildern die Geschichte, die ich gestern bei einem Besuch mit Bun-Chan mit ihren Großeltern erfahren habe und die hat, da die beiden schon so alt sind, etwas mit verblassenden Erinnerungen zu tun. Den Großvater haben wir nach einem Schlaganfall im Krankenhaus besucht – allein das war eine interessante Erfahrung und die Omi anschließend zu Hause. Beide Orte hätte ich gern fotografiert, aber fand das etwas aufdringlich. Die alte Dame hat extrem schöne Haut und wer jetzt mit der gesunden japanischen Ernährung anfängt, der lasse sich nicht blenden. Als ich nach ihrem Geheimnis fragte, zählte sie nicht weniger als 7 Lotions und Cremes auf – dabei Under-Basic-Foundations, Grundierung, Übergrundierung, Sun-Protection und Highlighter.

Die denkwürdigere Geschichte aber war die der beiden alten Leute selbst in ihren jungen Jahren.

Während des Krieges war die Großmutter in der Oberschule, musste aber bedauerlicherweise in der Kriegsproduktion arbeiten und verpasste daher ihre Ausbildung. Während sie in einem Flugzeugwerk die japanische Kampfflotte zusammenschraubte, wurde ihr Geliebter, damals Geschichtsstudent in Kyoto, zu Ende des Krieges in die Sondereinheit der Marineluftwaffe eingezogen wurde. Diese Einheit heißt hier tokkō – Sonderangriff – gemeint sind die Kamikazeflieger. Aufgrund eines technischen Fehlers verspätete er sich mit seiner Maschine für den Angriff gegen die US-Navy und blieb am Leben, während die meisten seiner Freunde im Pazifik umkamen.

Soweit die Erzählung. Als Tanibata-Märchen verstanden, kann man ergänzen, dass die Großmutter mit aller Sorgfalt absichtsvoll ein paar Drähte falsch verknotet hat. Vielleicht hätte der alte Mann mir die Geschichte auch nocheinmal anders dargestellt, aber er war leider nicht in der Lage, zu sprechen.

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Regen und Ernte

Bevor Neid aufkommt, lasst uns die Bilder ins Metaphorische wenden: Übersetzung japanischer Texte ist wie die Arbeit im Reisfeld, wo jedes Hälmchen mit gebeugtem Haupt einzeln in den schlammigen Grund gesetzt wird und Monate vergehen, bis die ersten Früchte sichtbar werden. Am Rande sitzen aber immer noch, ungeduldig, in ihrem Einband, weitere Folianten und warten darauf, beackert zu werden.

Es ist hier daher die natürlichste Umgebung für die von mir gewählte Aufgabe.

stimmen alle zu?

happy happy

Botschaften von Fröhlichkeit und Glück werden in den Alltag gestreuselt mit der Absicht, eine Wirkung zu erzeugen. Aber welche?